Seit nun mehreren Monaten ist in den entwickelten Volkswirtschaften wie auch den Volkswirtschaften der Schwellenländer eine kräftige Verbesserung des Geschäftsklimas zu verspüren. Dieser Aufschwung dürfte sich fortsetzen und insbesondere 2017 wie auch 2018 ein Wachstum von 2 % in der Eurozone bescheren.

 

Schwellenländer - der Aufschwung hält an

Die Weltwirtschaft hat eindeutig an Fahrt gewonnen, wie es die Erholung des Handels und der Industrieproduktion belegt. Dazu beigetragen hat die Zerstreuung der Ängste über eine plötzliche Verlangsamung der chinesischen Wirtschaft, da sich die Rohstoffpreise stabilisieren konnten. Darüber hinaus profitieren die rohstoffproduzierenden Länder von einem günstigeren wirtschaftlichen Umfeld - ihre Exporteinkünfte steigen und die Aufwertung ihrer Währungen hat inflationäre Tendenzen verringert und somit wieder Spielraum für geldpolitische Massnahmen zulässt.

In China ist eine schrittweise Verlagerung des Hauptgewichts von Wachstum auf Privatkonsum im Gange, es bedarf jedoch struktureller Reformen. Dazu zählen unter anderem Verbesserungen der Sozialpolitik, damit die individuelle Sparquote der Haushalte zurückgeschraubt wird, eine schnellere Anhebung der Löhne, um die Kaufkraft zu steigern, usw. Die Regierung hat aber die Schlacht noch lange nicht gewonnen – sie muss nämlich permanent das Gleichgewicht zwischen der Verlangsamung der Kreditzunahme und der Aufrechterhaltung eines für die Wirtschaft ausreichenden Wachstums herstellen.

 

Vereinigte Staaten - werden die Versprechen in die Tat umgesetzt?

In den Vereinigten Staaten hat die Wahl von Donald Trump Ende 2016 sowohl Hoffnungen wie auch Ängste hervorgerufen. Die Aussicht auf deutliche Steuersenkungen und auf eine Wiederbelebung der Investitionen in Infrastruktur hat einen Höhenflug der Börsenkurse ausgelöst. Jetzt muss man wohl feststellen, dass ausser einem Reformprojekt von Obamacare, das derzeit lediglich vom Repräsentantenhaus abgesegnet wurde, die anderen „Baustellen“- insbesondere die Steuerreform - noch nicht weit vorangekommen sind. Und das, obgleich die Republikaner im Kongress über eine Mehrheit verfügen.

Wenn sich die Steuerreform nun verzögert, sollte man sich dann über ein Stocken der amerikanischen Wirtschaft Sorgen machen? „Das glauben wir nicht“, antwortet Anton Brender. Die Wirtschaft wird sogar weiterhin von der weltweiten Erholung profitieren. Die Stabilisierung des Erdölpreises begünstigt die Neubelebung der Investitionen in der Bergbaubranche. Letztlich verhält sich auch der Arbeitsmarkt dynamisch, der allmähliche Anstieg der Löhne und Gehälter sollte anhalten und so die Kaufkraft der Haushalte stützen.

Vor allem sollte man davon ausgehen, dass im Jahr 2018 trotz der budgetären und politischen Einschränkungen eine Steuersenkung passieren wird. Deren Umfang wird zwar geringer sein als ursprünglich angekündigt, dennoch sollte diese Steuersenkung es ermöglichen, dass 2018 das Wachstum auf 2,5 % hochklettert - im Vergleich zu einem Wachstum von wenig mehr als 2 % im laufenden Jahr. Insoweit dürfte die Fed ihren Kurs bei der Normalisierung der Zinssätze fortsetzen und sich von der lockeren Geldpolitik abwenden, bevor die Amtszeit von J. Yellen im Februar 2018 ausläuft.

 

Eurozone - die Erholung gewinnt an Fahrt

Die Eurozone hat sich eindeutig auf den Wachstumspfad begeben, der als solide erscheint. Darüber hinaus wird die Eurozone von der Binnennachfrage angetrieben. Nach Jahren der Korrektur erholt sich nun die Wohnbaubranchen. Trotz wieder aufflammender Inflation und nach wie vor begrenzter Zunahme der Löhne und Gehälter kann der private Konsum nun von einer schwungvolleren Schaffung von Arbeitsplätzen profitieren. Aufgrund verbesserter Aussichten bei der Nachfrage und aufgrund der günstigen Kreditbedingungen dürften die Unternehmen ihre Investitionstätigkeiten intensivieren. Der Aussenhandel hingen könnte das Wachstum leicht eindämmen. Es liegt auf der Hand, dass die globale Erholung den Exporten zugutekommt, doch der Wechselkurs des Euros ist nicht mehr weiter gesunken und die Importe dürften in stärkerem Ausmass zulegen. Abschliessend sei gesagt, dass die Anstrengungen bezüglich ausgeglichener öffentlicher Finanzen sich durchschnittlich relativ verhalten zeigen - das Wachstum dürfte 2017 1,8 % erreichen und 2018 auf rund 2 % hochklettern.

Da die Erholung sich nun kräftiger zeigt, befindet sich die EZB in einer guten Ausgangsposition, einen neuen geldpolitischen Kurs einzuschlagen – wenn auch nur ganz allmählich. Eine zu starke Anhebung der Langfristzinsen wird sie vermeiden. Noch immer ist die Vollbeschäftigung nicht erreicht, die zugrundeliegende Inflation ist schwach und das Kreditwachstum bleibt nach wie vor bescheiden. So wie die EZB hauptsächlich zur Neubelebung der wirtschaftlichen Aktivitäten beigetragen hat, liegt es nun an den Regierungen, Wachstumsunterschiede zwischen den wichtigen Wirtschaften in der Zone hinsichtlich der Entwicklung der Arbeitslosigkeit wie auch der Verschuldung auszugleichen. Vor allem - wenn in den kommenden Jahren die wichtigen Wirtschaften der Eurozone Mühe hätten, ihre Staatsverschuldung im Einklang mit eingegangenen Budgetverpflichtungen zu senken, könnte es zum Neuaufflackern von Spannungen zwischen einzelnen Ländern, aber auch auf den Märkten kommen. Änderungen in der Politik - über die Erholung hinaus – sind jetzt wirklich notwendig!